In drei Tagen zum (Gedanken-)Millionär?

Vielen, die sich mit Geld-Themen und Money Mindset beschäftigen, ist T. Harv Eker aus Kanada vermutlich ein Begriff. Sein Buch „So denken Millionäre“ habe ich bereits vor 10 Jahren von einer Freundin geschenkt bekommen. Vor 2 Jahren war ich zur Veranstaltung „Millionaire Mind Intensive“ sogar schon einmal angemeldet, doch aus dem Seminar in Laibach ist damals nichts geworden. Nun habe ich die Gelegenheit genützt, das in Wien nach zu holen. Drei ganze Tage lang im Wiener Hotel Intercontinental. T. Harv Eker selbst war nicht anwesend, es war einer seiner Trainer: Robert Raymond Riopel, ebenfalls aus Kanada.

„Give Me A High Five!“ Stimmungsmache am Morgen

Die Inszenierung entpuppte sich als sehr „amerikanische“ Veranstaltung. Das Publikum wurde sofort aktiviert und gedrillt: aufstehen, „High Five“ mit den Sitznachbarn samt dazu gehörigen Sätzen wie „You are awesome“ oder „You have a Millionaire Mind“. Laut gelesene Deklarationen - natürlich mit auf das Herz gelegter Hand. Die Besucher wurden in Stimmung gebracht. Ähnliches kenne ich aus meiner - lange zurück liegenden Zeit beim Network Marketing. Es erschreckt mich nicht, begeistert mich aber auch nicht besonders.

veronika

Veronika Pavlicek und ich vor einer tanzenden Meute

arbeitsheft

Das Arbeitsbuch für unsere Geld Glaubenssätze

Besucher-Schwund: Nur die Gewinner bleiben.

350 Teilnehmer hatten sich in einem Veranstaltungssaal des Hotels versammelt, viele von ihnen aus unseren östlichen Nachbarländern. Nach der ersten, kurzen Kaffeepause war die Besucherzahl schon merklich dezimiert. Im Lauf des gesamten Wochenendes wurden es immer weniger Menschen. Die Botschaft des Trainers: „Ihr seid die Gewinner, denn ihr seid noch immer da.“ Was aber konnte man hier über Geld lernen? T. Harv Ekers Geld-Management-Methode, das „6 Jars System“ wurde vorgestellt, doch das kennen die meisten bereits aus seinem Buch.

Weg mit alten Gedanken und her mit dem „Millionärs-Mindset“

Ansonsten ging es hauptsächlich um Glaubenssätze und darum, sie aufzulösen und ein „Millionaire Mind“ zu entwickeln. Als NLP-Lehrtrainerin ist das für mich nichts Neues. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass sich verfestigte Glaubenssätze nicht SO einfach in Luft auflösen lassen, wie hier behauptet wurde.

Was man hier allerdings wirklich lernen konnte, war Verkaufen. Die Teilnahme an diesem dreitägigen Seminar ist kostenlos (außer man ist bereit, für einen VIP-Platz zu bezahlen). Da verwundert es kaum, dass es sich in erster Linie um eine Verkaufsveranstaltung handelt.

American Style Selling - schaffst du es, nichts zu kaufen?

Schon bald wurde ein Prospekt mit der Beschreibung diverser Kurse verteilt, die gleich vor Ort gebucht werden konnten. Für rund 8000 Dollar pro Kurs. Damit war der Preis-Punkt gesetzt.

Dann folgten diverse Angebote (vom 10 Euro-Buch bis zum „Abendessen mit Trainer samt Frage-und-Antwort-Session“ für 35 Euro), die zum Schluss in einem Komplett-Paket zum Preis von 8000 Euro mündeten. Quasi „Alle Kurse zum Preis von einem.“ Bei den kleinen Angeboten, dem Buch und dem Abendessen mit Trainer habe ich „zugeschlagen“. Das Essen, das ich mit einer Kollegin besuchte, verlief eher enttäuschend. Meine konkrete Frage wurde nicht beantwortet. „Komm ins Tun!“ war die (Standard-)Antwort. Für jemanden wie mich, der sich im Business schon zu den Fortgeschrittenen zählt, ist das sehr dürftig.

Kassa

Nach all dem "katsching"-Gerede müssen wir schrecklich lachen, als wir in der Mittagspause in einem traditionellen Kaffehaus eine alte Kasse sehen!

geld

Wir bekommen T. Harv Eker Taler,
um noch mehr Kurse buchen zu können.

Eine Klo-Pause ist nur etwas für Verlierer, oder?

Meine Erwartungen, Neues über Geldanlage zu erfahren, haben sich nicht erfüllt. Daher habe ich auch keines der Programme gebucht. Erlebt habe ich eine Menge Brainwashing und einen für Europäer eher ungewohnten Umgangston. Wer während eines Seminarblocks von 3,5 Stunden Dauer auf die Toilette musste, wurde von der Bühne herunter zurechtgewiesen.

Der Abend des ersten Tages hatte noch ein interessantes Geldspiel zu bieten. Doch da will ich nicht spoilern: Wer es kennen lernen möchte, dem empfehle ich, selbst einmal diese Erfahrung zu machen.

Nach weniger als eineinhalb Tagen verlasse ich das „Bootcamp“

Am Tag 2, nach erneuten „High Five“-Übungen und Verkaufsreden, beschloss ich, früher zu gehen. Noch vor der Mittagspause habe ich die Veranstaltung verlassen und war ehrlich gesagt froh darüber. Die Meike, die ich vor 10 Jahren noch war, die Schulden hatte und in einer schwierigen Lage war, wäre vermutlich alle drei Tage geblieben. Das Seminar richtet sich meines Erachtens genau an jene Menschen, die verzweifelt Rat zu Geld-Themen suchen und an junge Leute, die noch wenig über Persönlickeits-Themen und Glaubenssätze wissen.

Was habe ich von den drei Tagen mitgenommen?

Aus jeder Erfahrung können wir lernen und trotz einiger Aspekte, die mir eher negativ aufgefallen sind, konnte ich auch Gutes für mich mitnehmen, denn manche Dinge müssen wir uns einfach immer wieder vor Augen führen. Hier meine 3 Highlights:

    The only time you are growing is when you are uncomfortable. 

Du wächst nur dann, wenn es unangenehm ist - sprich außerhalb deiner Komfort-Zone.

    Unless you are living it you don´t know it.

Solange du es nicht lebst, weißt du nichts darüber. Wissen alleine ist zu wenig, es geht ums Umsetzen.

     The way you do anything is the way you do everything. 

Wie du irgendetwas machst, so machst du alles. Zu spät zum Seminar, kommt immer zu spät. Das Thema heißt hier: Achtsamkeit. Vor allem, wenn du andere Ergebnisse bekommen möchtest.

Was ich noch persönlich daraus gelernt habe: ich möchte nie die Massen ansprechen, meine Art zu verkaufen sieht völlig anders aus. Auf jeden Fall aber war es spannend zu sehen, wie eine so ausgeklügelte (und sehr erfolgreiche) Verkaufs-Maschinerie funktioniert.

Im Mai bin ich bei Tony Robbins. Schon gespannt, welche Erfahrungen ich von dort mitbringen werde.

Wie geht es dir mit deinen Finanzen?

Wie stehst du zum Thema Geld?

Hast du schon Glaubenssätze erkannt, die du lieber nicht hättest? Hat sich in den letzten Jahren etwas bewegt? Glaubst du, dass dein Business-Erfolg ein anderer wäre, wenn du anders über Geld denken würdest?

2 Kommentare

  1. Veröffentlich von Swan am 10. Februar 2020 um 15:17

    Vielen Dank, liebe Meike, für diesen passenden Erfahrungsbericht!
    Ähnliche Situationen und Mißverständnisse 😉 kenne ich auch schon gut… 🙂 😀
    LG aus Bayern 😉

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